Der Rhein-Main-Link soll den Wald östlich von Niedernhausen genau dort queren, wo Gemeinde und Land Hessen die Verschwenkung von Ultranet vorgeschlagen hatten. Abgelehnt wurde dieser Vorschlag vor allem mit dem Eingriff in das Vorranggebiet Forstwirtschaft.

Seit dem 3. November ist der Verlauf des Rhein-Main-Links im Geoportal des Vorhabens öffentlich einsehbar. Er führt von Lenzhahn kommend durch den Wald über dem Großen Lindenkopf, östlich an Oberjosbach vorbei und weiter nach Süden. Es ist derselbe Landschaftsraum, für den die Alternative „Niedernhausen D3″ vorgeschlagen war – jene Verschwenkung, mit der die Höchstspannungsfreileitung aus den Wohngebieten herausgeführt werden sollte.

Der Umweltschutz Taunus e.V. hat diese Verschwenkung über Jahre gefordert, gemeinsam mit der Gemeinde Niedernhausen, dem Rheingau-Taunus-Kreis und dem Land Hessen. Die Vorhabenträgerin lehnte ab; der Wegfall von Waldfläche sei ein ausschlaggebender Nachteil. Nun wird derselbe Wald gequert – für das zweite Vorhaben derselben Vorhabenträgerin, zusätzlich zur Freileitung statt an ihrer Stelle.
Der Unterschied liegt in der Bauweise. Eine Freileitung kann einen Wald überspannen. Ein Erdkabel kann es nicht: Es braucht einen Schutzstreifen, der dauerhaft von Bäumen und tiefwurzelnden Pflanzen frei zu halten ist, dazu Bauzuwegungen. Der Eingriff, der gegen die Verschwenkung angeführt wurde, fällt damit größer aus als er bei der Verschwenkung ausgefallen wäre.
Gegen eine Verlegung von Ultranet wird seitens der Vorhabenträgerin angeführt, die Leitung benötige die sogenannte Umschaltoption – die Möglichkeit, den Gleichstromkreis vorübergehend wieder als Drehstromkreis zu betreiben. Der Verein hält dem entgegen, dass dieses Argument an der Sache vorbeigeht. Eine Erdverkabelung von Ultranet hat niemand verlangt. Verlangt wurde eine Freileitung an anderer Stelle – und eine Freileitung neben dem Rhein-Main-Link hätte dieselbe Umschaltoption wie eine Freileitung über Niedernhausen.
„Zehn Jahre lang hieß es, eine Verschwenkung sei nicht machbar – der Wald, die Kosten, die Technik“
sagt Dr. Dirk Lorbach, Vorstand des Umweltschutz Taunus e.V. „Jetzt geht genau durch diesen Wald ein Erdkabel, und zwar zusätzlich. Wir hätten gern verstanden, warum dieselbe Fläche für das eine Vorhaben unantastbar war und für das andere nicht.“
Die Bauarbeiten an der Ultranet-Trasse zwischen Hünstetten und Hofheim sind im Oktober abgeschlossen worden. Allein in Niedernhausen wurden sechs Masten erhöht und in den Fundamenten verstärkt. Das Bundesverwaltungsgericht verhandelt die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss am 24. Februar 2027 in Leipzig.
Kontakt: Umweltschutz Taunus e.V., Obernhäuserweg 20, 65527 Niedernhausen · info@umweltschutz-taunus.de · Verfahren BVerwG 9 A 17.26
Bildmaterial: Kartenausschnitt „Verlauf Rhein-Main-Link“ aus dem Geoportal des Vorhabens, abgerufen am 4. November 2026. Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, Microsoft, Facebook, Esri Community Maps.