+++ Pressemitteillung: Protestcamp gegen Ultranet: Deutliche Kritik an Netzplanung und Behörden +++

Rund 150 Bürgerinnen und Bürger haben sich am 19. Juni am Spielplatz „Am Dachsbau“ in Niedernhausen versammelt, um gegen das Stromtrassenprojekt „Ultranet“ zu protestieren. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Umweltschutz Taunus e.V. (UTeV). Trotz großer Hitze blieb ein Großteil der Teilnehmenden bis zum Ende vor Ort.

Den Auftakt machte Dr. Dirk Lorbach (UTeV), der die Veranstaltung eröffnete und durch das Programm führte. Im Anschluss äußerten sich mehrere politische Vertreter, darunter Bundestagsabgeordneter Klaus-Peter Willsch (CDU) sowie die Landtagsabgeordneten Marius Weiss (SPD) und Andre Stolz (CDU). Auch Vertreter aus der Kommunalpolitik, darunter Hofheims Erster Stadtrat Daniel Philipp (Grüne) sowie Bürgermeisterin Lucie Maier-Frutig (zum Ende der Veranstaltung), bekräftigten ausdrücklich ihre Unterstützung. In ihren Beiträgen kritisierten sie übereinstimmend das Vorgehen des Netzbetreibers Amprion und der Bundesnetzagentur (BNetzA) und stellten sich hinter die laufende Klage gegen das Projekt.
Ein zentraler Programmpunkt war ein offener Brief des UTeV an den Präsidenten der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. Darin wird der Behörde vorgeworfen, einen zuvor konstruktiven Planungsprozess abrupt beendet und alternative Trassenführungen nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Besonders kritisiert wird, dass die neue Ultranet-Technologie auf bestehenden Masten mitten durch die Wohngebiete im Taunus umgesetzt werden soll, obwohl sie technisch als Neuentwicklung mit entsprechend ungeklärten Risiken gilt.

Gesundheitliche Aspekte spielten in den Vorträgen eine wichtige Rolle. In einem Beitrag zu elektromagnetischen Feldern (EMF) wurde auf offene Fragen und mögliche Risiken hingewiesen. Kritiker bemängeln, dass Langzeitwirkungen der neuen Technik nicht ausreichend erforscht seien und die bestehenden Grenzwerte keine Hybrid-Technologie wie bei Ultranet berücksichtigen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Stand der Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht. Nach Angaben der Initiatoren wurden wesentliche technische Unterlagen, insbesondere zur Statik der Masten, bislang nicht offengelegt, dies erschwere die umfassende rechtliche Prüfung. Die Projektkosten hätten sich inzwischen verdoppelt auf mehr als 2 Milliarden €uro, eine transparente Kontrolle oder Begründung sei nicht erfolgt, eine Verschwenkung in Hünstetten und Idstein hätte nur 3 Mio € gekostet.


Emotional wurde es bei der Diskussion möglicher Sicherheitsrisiken. Redner beschrieben Szenarien wie Mastversagen bei Starkwind oder Eislast sowie die Gefahr herabfallender Eisstücke. Diese Risiken seien für viele Anwohner nicht ausreichend berücksichtigt.

Neben Kritik wurden auch Perspektiven aufgezeigt: Vertreter der Gemeinde betonten am Beispiel Niedernhausen, dass eine Verlagerung der Trasse erhebliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen könnte, etwa für dringend benötigten Wohnraum und Grünflächen.

Zum Abschluss ermutigten die Organisatoren die Bürger, sich weiterhin aktiv einzubringen, etwa durch die Dokumentation von Bauarbeiten und möglichen Umweltbeeinträchtigungen und die Unterstützung der Klage.

Die Veranstaltung endete mit einer offenen Diskussion, die teilweise über den offiziellen Rahmen hinausging – ein Zeichen dafür, dass das Thema Ultranet die Region weiterhin intensiv beschäftigen wird.